Der erste Schritt – Die Sehnsucht

„Einmal will ich die wahre Freiheit erleben,

nur ein einzig Augenblick,

dann erkenne ich das wahre Leben,

doch es ist ein langer Weg ins Glück“

©MHecht

Mit diesem Gedicht drückte ich als Teenager meine tiefe Sehnsucht nach meinem wahren Selbst aus. Weil ich mit meiner inneren Stimme nicht in Kontakt war bzw. noch nicht mal wusste, dass es sowas gibt, befand ich mich in einer Sackgasse. So ging ich auf meine erste Heldenreise, um meine Sehnsucht zu stillen und Antworten zu finden. Die Reise stellte sich als Weg voller Irrtümer heraus. Als erstes untersuchte ich die Bibel und konnte nichts hilfreiches finden. Auch der Pastor, der mich konfirmierte konnte mir nicht weiterhelfen, weil ich den christlichen Glauben als einengend empfand. Gleichzeitig hatte ich Schuldgefühle, weil ich an meinem Glauben zweifelte. Es war mit total unverständlich, wie eine Religion, die auf Schuld, Sühne und festen Regeln basiert, mit meinem inneren Freiheitsbegriff zusammen passen sollte. Ich konnte die Lebenskraft in der Natur spüren, die alles verbindet und meine Seele oder mein wahres Selbst leuchten ließ. Auf keinen Fall wollte ich diese Spiritualität an eine externe Autorität (Pastor) abgeben.

Nachdem alle Versuche mein Glück im Glauben zu finden scheiterten, konzentrierte ich mich im Laufe der Jahre auf Schule, Studium, Beruf und Familie. Ich übertönte meine immer lauter werdende innere Stimme mit allen (legalen) Mitteln. Als Ergebnis stand ich unter dauerhafter Anspannung. Körperliche Stresssymptome beherrschten meinen Alltag. Mein Kopf und Bauch waren in einen Kampf geraten und schrien sich gegenseitig an: „Hör jetzt auf damit! Ich versteh dich nicht! Mach, was ich dir sage!“ Schließlich gab meine innere Stimme scheinbar nach und verstummte. Ich spürte gar nichts mehr. Alles fühlte sich taub an. Diese Zeit war nur kurz (ein paar Tage) doch es erschreckte mich so sehr, dass ich beschloß den inneren Krieg zu beenden. Ich entschloss mich zu einer neuen Reise. Diesmal wollte ich alle Kräfte harmonisch bündeln, um zum Ziel zu kommen. Das passende Buch als Reiseführer war von Thich Nhat Hanh „Vom Glück einen Baum zu umarmen. Geschichten von der Kunst des achtsamen Lebens.“ Es kostete mich bereits einigen Mut das Buch zu kaufen, weil mein Verstand es als viel zu esoterisch ablehnte. Wegen dieser ablehnenden Haltung war es genau das Richtige. Die zentrale neue Botschaft war für mich, nicht nur Achtsamkeit und Mitgefühl für alle Lebewesen, sondern auch für mich selbst zu entwickeln. Meine ersten achtsamen Versuche waren sehr frustrierend und ich fühlte mich überfordert regelmäßig zu üben. Die Aussicht auf das Ziel meiner Reise, inneren Frieden und neue Lebensfreude, lies mich durchhalten. Wenn ich eine kleine Übung in meinen Alltag einbauen konnte, fühlte ich manchmal sogar kurze Augenblicke innerer Harmonie.

So kehrte ich diesmal ein wenig erfolgreicher von der Heldenreise zurück und nahm die neuen Erkenntnisse mit viel Dankbarkeit in meinen Alltag auf. Genug gelesen! Hier ist die Gelegenheit für eigene Erfahrungen 😉 :

Achtsamkeitsübung „Der Seele Nahrung geben“: Nimm Dir einen Augenblick Zeit. Setze Dich bequem hin und schließe die Augen. Atme tief ein, sammel alle negativen Gedanken, Gefühle, Empfindungen und lasse sie beim Ausatmen durch Deine Füße in Boden fließen. Dann lasse Deinen Atem los und richte Deine Aufmerksamkeit auf Deinen Bauch: Lasse in Deinem Inneren die Frage auftauchen: Was ist es, was ich jetzt am meisten brauche? Ist es ein körperliches Bedürfnis (z.B. Hunger, Durst), dann stehe jetzt auf und stille dieses Bedürfnis so gut und so aufmerksam wie möglich. Konzentriere Dich nur auf diese Tätigkeit. Wenn es ein seelisches Bedürfnis ist (z.B. Ruhe, Sicherheit, Freude, Glück), lasse Deine Augen geschlossen. Richte Deine Aufmerksamkeit weiter auf Deinen Bauch. Stelle Dir vor, wie ein helles warmes Licht in Deinem Inneren beginnt zu leuchten. Dieses Licht ist Nahrung für Deine Seele. Es nährt Deine Seele mit dem, was Du jetzt am meisten brauchst. Stelle Dir vor, wie das helle Licht immer größer wird, bis es dich ganz geborgen einhüllt, in deiner eigenen persönlichen Oase. Das Licht schenkt dir alles, was du brauchst, um in diesem Moment, in völliger Harmonie mit Dir selbst zu sein.

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