Lebenslanges Lernen

„Liebes Leben,

lehre lebendiges Lächeln,

liebevolles Lachen!“

Leben lacht: „Lass los!“

©MHecht

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Ein Leuchten – Das Bad putzen

Ein Leuchten

in tiefer Stille

in unendlicher Freude

im Augenblick sein

©MHecht

Es ist Zeit das Bad zu putzen. Den ganzen Morgen habe ich deshalb schon schlechte Laune. Auch während des Putzens, grummle ich immer vor mich hin und empfinde es als Zeitverschwendung. Aber es ist meine Lebenszeit, die ich nicht verschwenden möchte. Als freier Mensch steht es mir offen, diese Zeit sinnvoll zu gestalten. Während des Putzens versuche ich dieses Mal, die geistige Haltung aus der Sitzmeditation, in die Bewegung zu übertragen. Bis jetzt war meine Konzentration und die innere Stille sofort verschwunden, wenn ich mich bewegt habe. Auch während der Meditation im Sitzen schweifte mein Geist oft ab. In dieser Meditation versuche ich meine Aufmerksamkeit ohne Unterbrechung zu halten. Sanft liegt meine Konzentration auf meinem Unterbauch, um ganz im Augenblick präsent zu sein. Langsam erhebe ich mich aus der Meditationshaltung, konzentriere mich auf meine Umwelt und halte die Präsenz sanft im Hintergrund. Ich schaue mich vorsichtig um, greife nach Schwamm und Putzeimer. langsam beginne ich das Waschbecken zu putzen. Ärger steigt in mir hoch. Mein innerer Antreiber verlangt eine höhere Geschwindigkeit, der innere Kritiker befiehlt mehr Glanz und fleckenlose Sauberkeit. Das innere Kind möchte lieber im Garten ein paar Blumen einpflanzen. Ich beobachte und lächle. Ganz sanft nicke ich anerkennend dem inneren Theater zu. Mein tiefer Atem in den Unterbauch hilft mir, ganz in der weiten liebevollen Stille, die ich aus der Meditation kenne, zu ruhen. Ich bin mehr als mein inneres Theater, ich bin mehr als meine ständig wechselnden Emotionen. Ich sehe den Schwamm und das Waschbecken und fahre mit meiner Tätigkeit fort. Die Illusion der Trennung löst sich auf. Es gibt nichts mehr zu beobachten, wenn das „Ich bin“ sich ausdehnt und zum reinen Sein wird. Alles leuchtende Sein ist in diesem Augenblick. In seiner unendlichen  lebensbejahenden Tiefe des Glücks, ganz präsent, ganz klar, ganz verbunden im liebevollen Frieden.

Als das Bad fertig geputzt ist, falle ich wieder in die Trennung von „Ich“ und „Umgebung“ zurück. Mit einem Lächeln stelle ich fest, dass putzen von mir jahrelang unterbewertet wurde ;). Ich bin wieder ganz bei meinen Gefühlen und Gedanken angekommen. Als innerer Kritiker lasse ich einen letzten Blick auf das Ergebnis schweifen: Mist! Ich habe den Spiegel vergessen. Kurz schließe ich voller Mitgefühl die Augen. Der Ärger löst sich auf. Meine Aufmerksamkeit folgt dem Atem in meinen Unterbauch. Nachdem sich das präsente Körpergefühl wieder eingestellt hat, öffne ich vorsichtig die Augen und versuche es sanft im Hintergrund zu halten. Als ich aus dem Bad gehe werde ich plötzlich ganz mein innerer Antreiber, der noch schnell das Mittagessen bis 12:00 Uhr fertig kochen möchte.

Mein lebenslanger Übungsweg hat zum Ziel, dass ich ganz präsent in mir ruhen kann, während ich meinen Alltag lebe. Die Gedanken um Zukunft und Vergangenheit nehme ich wahr und lasse sie auch wieder gehen. Wenn sie mir helfen, meinen Alltag zu gestalten, nehme ich sie konstruktiv auf. Es ist der mittlere Weg, der nicht das absolute Leben allein im „Jetzt“ fordert. Es ist eins der vielen Paradoxe im Leben :). Ich plane meine Zukunft und lerne aus der Vergangenheit durch Reflexion. Gleichzeitig übe ich, ganz im Augenblick präsent zu sein. Manchmal wird dieser Übungsweg von Erfahrungen, wie in diesem Beitrag, bereichert. Das sind wundervolle Geschenke, die ich dankbar annehme. Ich versuche sie nicht willentlich herbeizuführen oder einzufordern. Jeder Augenblick ist neu und hat seine eigenen Wunder :).

Die Weisheit der Spinne

Mit welcher Hingabe sie deinen Lebensfaden spinnt,

während sie leise das Schicksal besingt.

Zu viel Angst kann die Verbindungen trennen,

sie hilft dir, die Lücken zu erkennen.

Mit Liebe und Mut ist es sicher verwoben.

Wird dein Lebensnetz zum Meisterwerk erhoben?

©MHecht

Mitten in unserem kleinen Garten, zwischen Dill und Borretsch, hat sich eine Kreuzspinne häuslich eingerichtet. Gerade als ich Dillsamen ernten wollte, saß sie plötzlich direkt vor mir. Mein Verhältnis zu Spinnen ist zwiegespalten. Auf der einen Seite schätze ich sie als Nützlinge, auf der anderen Seite habe ich Angst vor ihnen. Nur mit großer Mühe schaffe ich es, sie im Haus in ein Glas zu befördern und draußen wieder auszusetzen. Lieber würde ich sie einfach mit dem Staubsauger entfernen, aber ich habe beschlossen Leben nicht unnötig zu beenden. In meinem Garten ist die Situation neu, dort leben viele verschiedene Arten von Spinnen. Sie sind bisher aber schnell weg gelaufen, wenn sie mich wahrgenommen haben. Ich lasse ihnen das Recht in meinem Garten auf freie Wohnsitzwahl. Die Kreuzspinne allerdings lief nicht weg und ich traute mich nicht an ihr vorbei, die Dillsamen zu ernten. Rational gesehen konnte mir die Spinne nicht gefährlich werden aber trotzdem überwog das Gefühl der Angst. Woher kam diese Angst? Auf zu einem neuen Abenteuer! Wenn ich gefühlsmäßig so stark in Resonanz mit diesem harmlosen Tier gehe, lohnt sich bestimmt ein Blick hinter die Kulissen ;).

Als ersten Schritt setze ich mich zu meiner neuen „Spinnen- Therapeutin“ und beobachtete die Angst in meinem Körper. Wo genau saß das Gefühl und wie veränderte es sich? Die keine „Therapeutin“, die mir jetzt ziemlich groß vorkam, zeigte sich zum Glück sehr kooperativ und bewegte sich nicht. Lediglich ein kleiner Windhauch ließ das Netz sanft hin – und her schaukeln. Während ich meine Angst betrachtete, ohne sie mit Gedanken zu füttern oder weg zu laufen, wurde sie immer weniger. Der innere Angsthase verstand schließlich, dass keine (Angst-)Möhrchen mehr gereicht wurden und akzeptierte die Situation. Ich öffnete geistig eine Tür und ging direkt durch meine Angst hindurch, in einen „Therapieraum“ zu der Spinne. Mit Humor versuchte ich die Angst weiter niedrig zu halten: Ich stellte mir vor, wie wir zusammen eine Tasse Tee tranken und ein Gespräch begannen. Die Spinne war ein Sinnbild für einen Teil meines Selbst, dass ich im Schatten verdrängt hatte. Mit Hilfe der Spinne konnte ich wieder Kontakt zu diesem Teil aufnehmen, zu dem ich vorher keinen Zugang hatte. Während des inneren Gesprächs schaute ich mir die Spinne, wie sie einfach nur in ihrem Netz saß, die ganze Zeit an. Vermutlich schaute sie auch zwischenzeitlich zu mir ;). Nachdem der Schleier der Angst zwischen uns langsam gefallen war, konnte ich die Spinne als fühlendes Wesen begreifen. Ich erkannte unsere Gemeinsamkeiten und konnte auch langsam ihre Andersartigkeit schätzen. Auch wenn wir wohl nie die engsten Freunde werden, spüre ich jetzt die Verbundenheit zu ihr, wie zu dem bisher abgetrennten Teil meines Selbst. Die kleine „Spinnen-Therapeutin“ verwob liebevoll mein lückenhaftes Selbst zu einem neuen stärkeren Netz. Meine Perspektive konnte sich erweitern, nachdem die begrenzende Angst überwunden war. Ich bin zutiefst dankbar über den kurzen Einblick tiefer Weisheit, den mir die Spinne ermöglicht hat.

Fotografen-Übung: Forme Deine Hände zu einer imaginativen Kamera und halte sie vor Deine Augen. Suche Dir ein Motiv in deiner Wohnung oder im Freien, dass du „fotografieren“ möchtest. Dieses Motiv kann positiv oder negativ sein, zum Beispiel der chaotische Sofatisch, der eigentlich mal wieder aufgeräumt werden müsste. Mache aktiv mit Deinen Augen ein Foto, indem du intensiv Dein Motiv für ein paar Sekunden betrachtest und dann Deine Augen schließt. Rufe dann Dein Foto vor Deinem geistigen Auge auf. Dieses Bild kannst du in Deinem imaginativen Bildbearbeitungsprogramm nun verändern. Gib ihm zum Beispiel mit der Farbe Deiner Wahl einen neuen Rahmen. Achte dabei besonders darauf, wie sich Deine Gefühle zum Bild, mit der neuen Farbe verändern. Diese Übung ist auch besonders gut für unangenehme Ereignisse geeignet. Rufe dazu einfach das intensivste Bild aus Deiner Erinnerung auf und verändere es. Mit dieser Übung kannst Du einen neuen Bezug und eine größere Distanz zur Erinnerung gewinnen. Viel Spaß 🙂

 

Die Magie des Augenblicks

An eine Kirschblüte

Kaum habe ich deine Schönheit gesehen,

weiß ich, auch das wird schnell vergehen.

Warum musst du überhaupt entstehen,

wenn es so schmerzt dich zu sehen?

 

An meinen Bewunderer

Kurzsichtiger Mensch, der du bist,

so gesehen erscheint dein Leben trist.

Bald werde ich ohne Gestalt sein,

denn in deinem Herzen bin ich daheim.

Öffne dein großes Herz,

dann vergeht der weltliche Schmerz.

In deinem herrlichen Garten,

werde ich dich still erwarten.

Wahre Freude sende ich aus,

vertraue dir selbst und geh nach Haus!

©MHecht

Was will ich mit meiner Zeit anfangen, die mir zur Verfügung steht? Je mehr mir die Endlichkeit des Lebens bewusst wird, desto wichtiger wird der Augenblick. Wie sinnvoll verbringe ich mein Leben? In Gedanken versunken erledige ich meine Arbeit und den Haushalt, verbringe schöne Zeit mit meiner Familie, lese ab und zu ein Buch und treibe etwas Sport. Am Abend hänge ich dann erschöpft vor dem Fernseher. Diese Aufteilung hat mir eine Zeit lang gut gefallen. Tief in mir wurde mir immer bewusster, das ich „das Leben“ verpasse. Die Abenteuerreise dieses Beitrages beginnt JETZT. In diesem Augenblick, wenn ich aus dem Autopiloten des täglichen Lebens aussteige und die Kraft meiner Gedanken im Augenblick zentriere. Die bewusst gebündelte Kraft macht die Magie des Augenblicks aus. In ihm wohnt die Macht der Veränderung. Statt meine ganze Kraft auf die verschiedenen Aktivitäten und meinen geliebten Freizeitstress zu verteilen, übe ich mich jetzt darin die Energie zu bündeln und gezielt einzusetzen. Mein Ziel: alle Aktivitäten so zu verbinden, dass sie sich sinnvoll ergänzen, statt zu konkurrieren. Mein tiefes Vertrauen, dass alles seine Zeit hat, hilft mir ganz im Hier und Jetzt anzukommen. Als Symbol dient mir das indianische Medizinrad. In der Mitte ist alles ausbalanciert. Die verschiedenen Einflüsse, von allen Seiten verbinden sich in der Mitte und ermöglichen ein gesundes und erfülltes Leben. Wenn ich eine Tätigkeit ausführe, mit den Gedanken aber bereits in der Zukunft oder Vergangenheit bin, ist das Gleichgewicht gestört. Ich bin nicht mehr in meiner Mitte. Die magische Kraft des Augenblicks steht mir nicht zur Verfügung. Als Folge lasse ich mich schnell von meinen Gefühlen überrollen und kann die freie Zeit manchmal mit meinen Lieben nicht genießen.

Um die enge Verbindung zu meinen Gedanken zu lösen, übe ich mich im achtsamen Schauen. Dazu nehme ich meinen Körper wahr, bin mir aber bewusst, das ich nicht nur mein Körper bin. Ich nehme meine Gefühle wahr, bin mir aber bewusst, dass ich mehr als meine Gefühle bin. Mir hilft es, die Aufmerksamkeit auf meinen Unterbauch zu lenken, um innerlich ruhig und gleichzeitig nach außen präsent zu sein. Mit diesem kleinen Ritual aktiviere ich den inneren Zeugen. Er sieht die Gefühle, aber hat eine gesunde Distanz zu ihnen. Er nimmt alles wahr, aber bewertet nicht. Es darf alles sein, wie es gerade ist. Der innere Zeuge ruht selbst in liebevoller Aufmerksamkeit. Er urteilt nicht und ist daher mit allem verbunden: Dem prallen Leben, dem Urgrund allen Seins. Die Illusion der Trennung wird durch Urteile geschaffen. Ich strebe keinen leeren Geist oder die Überwindung von Gefühlen an. Für innere Heilung und ein gesundes Sein ist es wichtig, die Illusionen mit liebevoller Aufmerksamkeit zu durchschauen. Im Lichte der Achtsamkeit dürfen die Gefühle und Wahrnehmungen kommen und gehen. Auch wenn ich immer wieder aus dieser Art des Sehens „herausfalle“: Sobald ich mich wieder an den inneren Zeugen erinnere, kann ich weiter üben :).

Um die Achtsamkeit weiter zu schulen ist mir eine ganzheitliche Lebenspraxis wichtig. Sie umfasst den Geist, den Verstand, den Körper und auch den Bereich des Schattens (verdrängtes). Durch die Bearbeitung von Schattenthemen (z.B. durch die Quellen unten im Beitrag), lerne ich mich selbst besser kennen. Dies wirkt sich positiv auf den Umgang mit meinen Mitmenschen aus, denen ich selbstbestimmter und mit mehr Verständnis begegnen kann. Beim Gestalten meiner Lebenspraxis kommt es mir nicht auf Perfektion oder einen „durch getakteten “ Übungsplan an. Ich bin weiterhin offen und flexibel für den Moment, der natürlich auch chillen vor dem Fernseher beinhaltet. Die Übungen habe ich nach Schwerpunkt geordnet und nach Möglichkeit miteinander verbunden. Zum Beispiel führe ich ein paar Chi Gong Übungen aus und behalte die achtsame meditative Haltung für die folgenden Liegestützen und sit ups etc. bei. Das Training beende ich mit einer kurzen Sitzmeditation. Zu Beginn war es für mich sehr anstrengend, immer wieder zum inneren Zeugen zurückzukehren, da mein Verstand sehr schläfrig darauf reagierte. Gerade am Anfang hatte ich das Gefühl manchmal verträumter als vorher zu sein und war ziemlich entmutigt. Schließlich nahm ich mir vor, jeden Tag und jeden Augenblick neu zu beginnen. Es gibt immer mal Tage, an denen ich die Augenblicke an mir vorbei fliegen sehe und versuche ihnen hinterher zu laufen. Sobald ich stehen bleibe und ihnen lächelnd hinterher winke, kann ich den inneren Zeugen wieder aktivieren. Vielleicht nehme ich dann zuerst den großen Ärger wahr und wie sich der Ärger durch körperliche Symptome ausdrückt: verkrampfte Gesichtsmuskeln, angespannte Schultern…Die liebevolle Aufmerksamkeit hilft mir in diesen Augenblicken dabei, eine gesunde Distanz zu flüchtigen Gefühle und Wahrnehmungen zu schaffen und loszulassen. So kann ich mich wieder für die Fülle des Augenblicks, für die Fülle des Lebens entscheiden.

Ein Augenblick, für die magische Kraft der Veränderung.

Ein Augenblick, in dem die Farben heller werden.

Ein Augenblick in dem die Töne klangvoller sind.

Ein Augenblick, um die innere Heilung zu aktivieren.

Ein Augenblick, um die tiefe Verbundenheit (göttliche Liebe) zu spüren.

Ein Augenblick, um den Leben einen tiefen umfassenden Sinn zu verleihen.

Übung: Das Leben spüren: Konzentriere deine ganze Aufmerksamkeit auf ein Objekt Deiner Wahl: Das kann z.B. eine Blume oder ein Bild sein. Schaue genau hin, ohne zu verkrampfen. Welche Farben siehst du? Wie fühlt sich die Luft zwischen dem Objekt und Dir an? Wie ist die Temperatur auf deiner Haut während du das Objekt betrachtest? Welche Töne hörst Du? Was riechst Du? Dann wechsle gedanklich die Perspektive und schaue aus der Sicht des Objektes zu Dir. Wie sieht es Dich? Wer bist du? Wer ist ich? Wo herrscht Trennung? Wo Verbundenheit?

Nimm Dir ein paar Minuten Zeit für diese Übung und bewerte die Ergebnisse nicht. Es gibt bei dieser Übung kein „richtig“ und kein „falsch“. Viel Spaß  🙂


Quellen (Die meisten Inhalte der Bücher inspirieren mich. Die Ansichten der Autoren sollte jeder selber für sich prüfen 😉 ):

1.) THEKI – ENTWICKLE DICH! Der Schlüssel zum Bewusstsein. Autor: Sandra Weber. Verlag: Scorpio

2.) Integrale Lebenspraxis: körperliche Gesundheit, emotionale Balance, geistige Klarheit, spirituelles Erwachen. Autor: Ken Wilber u.a. Verlag: Kösel

3.) Open Hands: Grundlagen und Praxis des Handauflegens. Autor: Anne Höfler. Verlag: KNAUR MENSSANA

Alle Macht kommt von Innen

Wenn die Mitglieder sich bekriegen,

wird allein die Krankheit siegen.

Liebe weiß heilend zu verbinden,

wirkliches Lebensglück zu finden.

Wird der Chor im Einklang singen?

Lasse die Harmonie erklingen!

 ©MHecht

Wer spricht eigentlich, wenn eine Stimme in mir sagt, dass sie Entspannung braucht und eine andere, dass die Küche noch aufgeräumt werden muss? Ich bin es leid, dass mich meine Gedanken beherrschen. Ich möchte nicht nur mehr im Einklang mit mir selbst sein, sondern genauer verstehen, wie meine Persönlichkeit aufgebaut ist. Wenn das „Ich“ als System gut funktioniert, ist das der Schlüssel zu mehr Lebensglück und gesünderen Verhalten. Bei dieser Abenteuerreise geht es nicht um totale Kontrolle. Die mitfühlende Erkundung der eigenen Licht- und Schattenseiten im Inneren, führt auch zu verständnisvolleren Haltung gegenüber meinen Mitmenschen. Auf meiner Abenteuerreise werde ich mir die Akteure meines „Ichs“ genauer ansehen. Im Disney Film „Alles steht Kopf“ sitzen die Gefühle am Kontrollhebel. In der Realität gibt es zum Glück, mit Hilfe der Achtsamkeit, noch eine andere Kontrollinstanz. Luise Reddemann nennt sie den „Inneren Beobachter“, Roberto Assagioli „den Dirigenten“, je nach psychologischer Schule hat sie viele Namen. Die Kontrollinstanz sollte authentisch sein, mit Kompetenz und mitfühlende Haltung vorgehen, wie alle guten Chefs. Alle unterschiedlichen Bedürfnisse der Chormitglieder müssen zu einem größtmöglichen Kompromiss zusammenführt werden. Erklingt die Symphonie in völliger Harmonie, ist für diesen Moment die Arbeit des Dirigenten erfolgreich. Wie im Inneren, so im Außen ;).

Also Augen zu und Spot on: Die innere Bühne erstrahlt im Licht der Aufmerksamkeit. Als Hilfestellung stelle ich mir das Bild eines kleinen Dirigenten vor, der die Bühne betritt. Im selben Moment eilt der Manager mit einer langen Liste in der Hand auf die Bühne. Abwechselnd deutet er auf seine Uhr und die vielen Aufgaben auf dem Papier. Ein kleiner Angsthase hoppelt nervös um ihn herum und hält sich an der Uhr des Managers fest. Die anderen Chormitglieder und Musiker stehen im Hintergrund passiv herum und warten auf ihren Einsatz. Der Dirigent rauft sich die Haare, kein Wunder, dass es mir schwer fällt mal in Ruhe zu entspannen, bei dem Chaos. Als erstes versuche ich mit Hilfe des Dirigenten Ordnung in das Orchester bringen. Jeder soll seiner Aufgabe entsprechend den richtigen Platz einnehmen. Der Manager stört diesen Prozess immer wieder, schiebt die Musiker hin und her und verursacht noch mehr Chaos. So funktioniert es anscheinend nicht. Wie war das damals in der Schule? Der Lehrer zieht den größten Störenfried zum Einzelgespräch heraus, damit sich die restlichen Schüler neu ordnen können. „Manager! Ab ins Büro, zur Besprechung mit dem Chef! Angsthase such dir einen Platz im Chor!“ Um mit dem Manager in Ruhe zu reden nutze ich eine Übung aus der Gestalttherapie.

Ich öffne die Augen und hole zwei Stühle, die ich gegenüberstelle. Dann nehme ich zuerst auf dem Stuhl des Dirigenten Platz. Ich habe gesehen, was der Manager will (möglichst viele Aufgaben in wenig Zeit erledigen) und frage den Manager was er wirklich braucht. Dann wechsle ich die Plätze. Der Manager beharrt darauf, dass man nur erfolgreich sein kann, wenn hohe Ziele gesteckt und diese in kurzer Zeit mit voller Energie verfolgt werden. Früher war dieser Grundsatz für mich wichtig, doch heute ist mir meine Gesundheit wichtiger. Wenn ich das Verhalten nicht ändere, macht es mich krank. Eigentlich sehnt sich der Manager danach, auf einer Hollywood – Schaukel die Wolken zu beobachten. Ich gehe mit ihm aus dem Büro des Dirigenten und richte ihm einen inneren Raum nach seinen Wünschen ein. Erleichtert kann der Manager zur Ruhe kommen. Ich frage ihn, welche Lücke er mit ausfüllt? Wenn die Balance fehlt, ist ein Teil des Ichs völlig passiv. Ich lasse mich von ihm in einen Keller führen. Dort treffen wir mein inneres Kind (das ich durch andere Übungen bereits kenne s.u. Quelle). Es hat einen schweren Rucksack auf, lässt die Arme hängen und sagt.“ Ich kann das gar nicht alles schaffen!“ Der Manager hat das innere Kind hierher verbannt, weil es mit seinen Träumen die Produktivität gehemmt hat. Ich überzeuge es, dass wir kommen sind, um zu helfen und ihm eine Stimme zu verleihen. Gemeinsam nehmen wir den Rucksack ab und führen es nach oben in den Chorraum. Dort angekommen lässt das innere Kind seinen ganzen Frust aus und fängt an zu toben und zu schreien. Es darf sich ganz ausleben. Nachdem es sich beruhigt hat, setze ich den Manager für seine Interessen ein, um die Teamarbeit zu fördern. Das innere Kind nimmt Hand in Hand zwischen den inneren Eltern im Chor seinen Platz ein. Der Dirigent hebt den Taktstock und auf sein Zeichen erklingt eine wundervolle Symphonie. Im Solo des inneren Kindes dürfen die Töne wie bunte Seifenblasen langsam in den Himmel steigen. Erleichtert öffne ich die Augen. Das war harte Arbeit aber die innere Symphonie klingt noch sanft nach, während ich mich wieder meinem Alltag widme.

Übung: Wer spricht? Im Alltag halte ich immer mal wieder innerlich an, lenke den Spot meiner Aufmerksamkeit nach innen und schaue: Wer spricht dort und braucht der Akteur vielleicht etwas ganz anderes als das, was er möchte?


Quellen:

Imagination als heilsame Kraft: Luise Reddemann

Versöhnung mit dem inneren Kind: Thich Nhat Hanh

Den Dämonen Nahrung geben: Tsültrim Allione

 

Die Harmonie des Lebens

Morgenstimmung

Wenn der Nebel sich lichtet,

wenn das Herz zum Horizont gerichtet,

dann lächelt der Grashüpfer versonnen:

„Die Welt ist vollkommen!“

©MHecht

Diese tiefe Harmonie in der Natur hatte ich schon lange nicht mehr gefühlt. Der graue Alltagsstress trennte mich immer mehr von der Fülle des Lebens. Es war Zeit für ein neues Abenteuer: Ziel war nicht nur meine innere Harmonie, sondern auch die Quelle allen Lebens, aller Verbundenheit zu finden. Als Reiseführer fand ich eine Anleitung zur Zenmeditation auf Youtube (von Hinnerk Syobu Polenski) und las „Suche nach dem Sinn des Lebens“ von Williges Jäger. Das Buch war für mich sehr anspruchsvoll aber ein wundervoller Einstieg in die Mystik. Hoch motiviert begann ich zu üben. Die ersten Ergebnisse waren frustrierend. Trotz verschiedener Methoden schlief alles während der Meditation ein: Meine Beine, mein Geist und auch meine Motivation. Ein Wikipedia – Artikel zu den Huna Prinzipien half mir schließlich weiter: „Wirksamkeit ist das Maß der Wahrheit. Es gibt immer auch einen anderen Weg.“ ( Hier geht`s zum Artikel)

Auf einmal war alles ganz einfach. Erster Schritt: Die Konzentration auf eine äußere Harmonie richten und mit ihrer Hilfe die innere Harmonie finden. Als „Herr der Ringe“  Fan bestand die äußere Harmonie aus einem 30 minütigen instrumentalen Ausschnitt des Soundtracks. Ich setze mich auf einen Stuhl, legte meine Hände auf meine Herzgegend und konzentrierte mich darauf, wie die Musik mein Herz berührte. Der Rhythmus meines Herzens passte sich nach kurzer Zeit der Musik an. Die Tür zu meinem Inneren öffnete sich und ich lies mich von der Musik treiben, wie auf einem sanften Fluss. Immer tiefer, getragen auf den Wellen der Musik, in völligen Vertrauen. Während der Reise lösten sich sanft alle Egogebilde, Traumbilder und Dualitäten auf. Schließlich gelangte ich ans Ziel meiner Reise: Die Welle wurde das Meer – im Ur-Rythmus allen Seins – In weiter, tief klingender, stiller Harmonie.

Mit dieser wundervollen Erfahrung aus der Fülle des Lebens kehrte ich langsam zurück. Als ich die Augen öffnete konnte ich noch ein paar Augenblicke die Verbundenheit zwischen den Dingen sehen. Die Stille, wie sie sanft die Töne umhüllte. Die Energie der Leere zwischen den Dingen, die nicht einfach nur leer war, sondern angefüllt, voller Möglichkeiten „zu werden“.

Mit der Rückkehr ins Alltagsbewusstsein kehrte auch die alltägliche Dualität zurück. Hier der Stuhl, da der Tisch, eine leere Kaffeetasse. Sofort übernahm wieder mein Verstand: „Oh je schon so spät? Ich wollte noch die Wäsche aufhängen und das Mittagessen vorbereiten….“ Diese Reise hatte mir nicht nur meine innere Harmonie und die Quelle allen Lebens gezeigt, sondern gleichzeitig die Worte der Meditationslehrer mit meinen eigenen spirituellen Erfahrungen verknüpft. Nicht mehr und nicht weniger. Auch wenn ich viele neue Erkenntnisse gewinnen konnte, ist es mir wichtig solche Erfahrungen nicht über zu bewerten. Sich achtsam auf den Weg zu machen und die Fülle des Lebens zu ergründen, das ist es, was die Leere, die innere Unzufriedenheit und die Frage nach dem mehr (für mich) beantwortet hat. Das stille unendliche Glück, dass im Ur-Rythmus erfahrbar ist, würden manche vielleicht göttlich nennen. Es ist mit Worten zu beschreiben aber die Erfahrung kann es nicht ersetzen. Genauso ist es weder religiös gebunden, noch ist es allein durch lesen zu erfahren. Es ist in jedem von uns – bereit zu Erwachen.

Immer wenn ich die Harmonie im Alltag vermisse, hilft mir diese kleine aber sehr effektive Übung. Als Musik eignet sich z.B. klassische Musik, weil diese vielschichtig aufgebaut ist:

Stelle Dir vor, Du bist der Star-Dirigent eines Orchesters. Gerade und aufrecht stehst Du vor Deinem Orchester. Wenn die Musik beginnt, führst du mit deinen Armen und deinem ganzen Körper das Orchester…lasse Dich leiten von der Musik…wenn Du möchtest kannst du die Augen schließen…sei mit Deiner Aufmerksamkeit ganz bei Dir…spüre, wie die Musik Dich umgibt und durchdringt…dabei beobachte einfach die Bewegungen Deines Körpers, ohne zu bewerten….Deine Bewegungen sind in diesem Moment genau richtig, um das Musikstück zur wahren Vollendung zu bringen…auf Dein Zeichen heben die Musiker ihre Instrumente…ich wünsche dir viel Spaß 🙂