Der Garten als Spiegel

In meinem Garten erkunde ich gerne die verschiedenen Aspekte meiner Seele, wie im Inneren, so im Äußeren, vom kleinsten Lebewesen zum Großen Kosmos. Vor kurzer Zeit traf ich am Gartenzaun meine Nachbarin. Sie winkte ganz aufgeregt und zeigte auf den Löwenzahn neben mir.“ Den machen sie aber noch weg, oder? Wenn nur alles so wuchern würde, wie Kraut. Das ist ein richtiges Teufelszeug. Die ganze Zeit bin ich damit beschäftigt alles heraus zu reißen. Wenn es erst mal blüht, ist alles zu spät.“ Ich dankte ihr für den Rat und verabschiedete mich.

Wovor hatte sie solche Angst bzw. was verärgerte sie so? Wie schon ein Sprichwort sagt, steckt der Teufel im Detail. Was genau bedeutet Teufels(zeug) eigentlich? Der Begriff „Teufel“ leitet sich aus dem altgriechischen ab und bedeutet so viel wie „Durcheinanderwerfer“. Es handelt sich um etwas oder jemanden, der eine bestimmte / heilige Ordnung stört. Der Teufel agiert im Verborgenden, im Schatten. Seine Hilfsmittel sollen z.B. Verstrickung, Manipulation und Abhängigkeit sein. Das Kraut als Sinnbild für die verborgenen Anteile der Seele, die hervor wachsen, um die Ordnung zu stören? So hatte ich das noch gar nicht betrachtet. Worin besteht die teuflische Abhängigkeit? Ist das Kraut wirklich Teufelszeug? Oder handelt es sich um ein Kraut, dass aus den Tiefen der Seele hervor wächst, um zu heilen? Ist der Mensch vielleicht eher gefangen im Teufelkreis des ewigen Hackens, Herausreißens, Salz- und Giftstreuens? Wie ist das bei mir? Mähe ich den Rasen, weil ich Raum für Licht und Luft auf die Wiese bringen möchte oder weil mir eine innere Stimme einflüstert:“ Es muss getan werden, sonst droht irgendein Unheil?“ Wer flüstert eigentlich? Ist es eine böse dunkle Macht von außen, die verführt und abhängig macht? Wer nimmt hier wirklich wen gefangen?

Himmel und Hölle scheinen mir sehr irdische Zustände zu sein. Ist es nicht eher so, dass die Türen in der Hölle offen stehen und es in unserer Verantwortung liegt, hinein und hinaus zu treten? Wenn mir die Türen wirklich offen stehen, warum sollte ich freiwillig dort bleiben? Schafft die Abhängigkeit des Höllenleids vielleicht eine gewisse Sicherheit? Ist dieses (selbst gewählte) Leid beruhigend, denn ich kann scheinbar über die engen Grenzen des „Höllenraumes“ den Überblick behalten? Lebe ich vielleicht lieber, meist unbewusst,  im selbstgewählten Leid, als in kraftvoller Fülle? Wenn es selbst gewählt ist, wie kann ich es ändern?  Braucht es Mut? Braucht es das Licht der Aufklärung?

Gehe ich wirklich einen Bund mit dem Teufel ein, wenn ich die heilige Ordnung störe und Unkraut wachsen lasse? Was passiert in meiner Seele,  wenn ich zu viel wachsen lasse, den Überblick verliere, alles überwuchert und erstickt (Wer flüstert mir diese Ängste ein?)? Woran kann ich mich orientieren, damit mein Garten ein lichtvoller  Lebensraum in der Fülle seiner Möglichkeiten wird?

Weder will ich Teile meiner Seele in die Dunkelheit verdammen, noch Blumen herausreißen oder vergiften, die für einen komplexen Lebensraum lebenswichtig sind. Aber wer weiß, was das für Blüten treibt? An welchem Fixstern kann ich mich orientieren, dass nicht einfach das Chaos überhand nimmt?  Interessanterweise ist der Begriff des Teufels sehr vielschichtig. Neben seinen Schattenseiten trägt er den Namen Luzifer. Der Lichtträger (lat. „Lux“- Licht). Es ist der lateinische Namen des Morgenssterns (der Venus). In der christlichen Theologie gilt der Morgenstern auch als Synomyn für Jesus „Christus“. In enger Verbundenheit mit den BLUmen, den strahlenden,  die ebenfalls die lichtvolle Silbe im Namen tragen. So vereint die kleine Pusteblume spielerisch alle Gegensätze von Licht und Schatten. Wie im Inneren, so im Äußeren, wächst sie heran, strahlt mit ihrem Licht der Aufklärung neues Leben und Wachstum aus. Die kleinen Schirmchen fliegen frei, mit unseren Wünschen zum Himmel.  Sie sind die Vorboten des Lichts, das Versprechen von neuem Leben. Gleichzeitig tragen sie das Potenzial von Chaos, Ausbreitung und Verdrängung in sich.

So wandere ich durch den Garten meiner Seele, beschränke dort, wo eine Überwucherung droht,  erfreue mich am Erblühen des Lichts und nehme im Schatten Abschied vom Verblühten. Möge es ein gutes Nest für neues Leben bieten.

Namaste – Ich grüße das Göttliche in Dir.

Ein Kommentar zu „Der Garten als Spiegel

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s